Der Komponist Ján Cikker, einer der bedeutendsten Vertreter der slowakischen Musikgeschichte, wurde am 29.7.1911 in Banská Bystrica geboren. Sein Vater als einer der Zikkers in Wien lebenden Nachfolger wurde nach dem Studium Professor an dem Gymnasium in Banská Bystrica. Er heiratete Mária Psotková – die erste Slawin und Slowakin in der Familie Zikker. Nach der Geburt wurde der Familienname des kleinen Ján in das Matrikelbuch fonetisch eingeschrieben – Cikker. Als Ján drei Jahre alt war, brach der Krieg aus. Der Vater rückte ein und im Jahr 1915 fiel er bei Halič. Die ganze Sorge um den Sohn und den Haushalt blieb am Schulter Cikkers Mutter. Mária Cikkerová spielte Klavier, sang schön und erhebte ihr Hobby zum Beruf. Sie wurde Lehrerin des Klavierspieles und Gesangs an der Musikschule in Banská Bystrica.

 

Erst als Ján Cikker 8 Jahre alt war, begann ihn seine Mutter fachlich zur Musik zu führen. Bis dahin klimperte er seine eigenen Ideen und fing mit den ersten Kinderkompositionen an. Unter Mutters Führung konnte er schon nach einem Jahr mit der Komposition von E.H. Grieg vor das Publikum erfolgreich auftreten. In Banská Bystrica begann man von ihm wie von einem Wunderkind zu sprechen. Zum 12. Geburtstag bekam er von der Mutti ein bedeutsames Geschenk – sie nahm ihn in die Budapester Oper mit. Die erste Oper, die er auf der großen Bühne sah, war Tannhäuser von Wagner. Die Musik bezwang Ján Cikker im wahren Sinne des Wortes.

 

Als er 15 war, gelang seine Mutti zur Ansicht, dass sie ihm nichts mehr beibringen kann und vertraute seine Führung in die Hände der Professorin Kmoníčková an. Nach dem Studium an klassischem Gymnasium entschied sich Ján Cikker für das Staatliche Konservatorium in Prag. Prag war derzeit Bühne der Weltkünstler. Es war auch die Stadt von V. Novák, J. Suk, O. Ostrčil, J. B. Foerster. Für Cikker war Prag ein großes Wunder und er verliebte sich für sein ganzes Leben in diese Stadt.

 

Im Juni 1935 beendete er das Studium an dem Konservatorium und meldete sich an die Meister Kompositionschule - er wurde Schüler von Vítězslav Novák. Gleichzeitig fuhr er mit dem Dirigentenstudium fort. Die Worte – „mehr brauchen Sie von mir nicht“ adressierte ihm Vítězslav Novák nach dem ersten Studienjahr. Ján Cikker ging aus Prag mit dem Kopf voller Erfahrungen weg, mit Herzen, das vor Dankbarkeit und Erinnerungen überquellt war. Die Zeit des Kennenlernens war aber für Ján Cikker noch nicht vorbei. Das slowakische Landesstipendium eröffnete ihm den Weg nach Wien, zum bekannten Dirigenten Felix von Weingartner, der Ján Cikker als außergewöhnlichen Hörer empfing. Nach dem slawischen Prag umgab ihn die Welt der deutschen Kultur. Mozart, Beethoven, Wagner, Strauss. Sein Herz gewann Franz Schubert.Tschechoslowakische Botschaft sorgte dafür, dass Ján Cikker den Zutritt in die Staatliche Bibliothek zu den Originalen der Partituren hatte. Dieses Privileg gewährleistete ihm außergewöhnliche Erlebnisse und auch unerwartetes Treffen mit z.B. Arturo Toscanini. Im Jahr 1937 endete der Aufenthalt in Wien und einige Monate später gliederte die Hitlersmacht Österreich zum Deutschland an. Cikker war 26 und hatte die Heeresdienstpflicht vor sich, die mit dem aktiven Dienst an der Grenze fortsetzte. Von dort aus kehrte er erst am 1. 9. 1939 zurück. Das Interesse für ihn zeigte die bratislavaer Musikalische und dramatische Akademie. Ján Cikker nahm das Angebot an und wurde zum Mitglied des pädagogischen Kollegiums. Die im Gedächtniss eingeprägte Menge der Erlebnisse, verbrannte ihn innerlich. Schmerzhaft kämpften Gedanken in seinem Inneren mit Gefühlen, sie wurden zu musikalischen Visionen und er sehnte sich mit all seinem Wesen nach dem Schaffen. Der Krieg bewegte ihn zum Schreiben der Kantate Cantus filiorum, der Trilogie symphonischer Gedichte O živote (Von dem Leben), Concertino pre klavír (Concertino fürs Klavier), Spomienky (Erinnerungen)..

 

Ján Cikker arbeitete und wohnte in Bratislava aber seine Heimat blieb Banská Bystrica. Er hatte dort seine Mutter, bei der er freie Tage und die Ferien verbrachte. Dort erwischte ihn August 1944, als ein Teil der Slowaken gegen die Gewalt aufstand. Erst das Ende des 2. Weltkrieges im Frühling 1945 ermöglicht Ján Cikker darin fortzusetzen, was er zu seinem Beruf und Mission wählte. Er kehrte in Bratislava zur pedagogischen und kompositorischen Arbeit zurück. Grosse Lust alles einzuholen, was die Kriegsjahre stahlen, erweckte in ihm Musik der Jugend und Freude.

 

Seine kompositorische Tätigkeit bereicherte er auch durch literarische. Er schrieb viel über Musik, dazu führte ihn die Funktion des Dramaturgen, die er gewisse Zeit in der Oper des Slowakischen Nationaltheaters bekleidete. Im Jahr 1950 – genau an seinem Geburtstag heiratete er Katarína Fiedlerová – Jurecká, Gräfin von Kreith, die bis zum Lebensende treu an seiner Seite stand, gab ihm familiäre Stütze und half auch repräsentieren bei den kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen zu Hause und im Ausland. Im Jahr 1951, als Cikker 40 war, wurde er Kompositionsprofessor an der Hochschule der Musik. Seitdem erzog er die zukünftigen Komponisten, übergab er ihnen seine Kenntnisse und Erfahrungen, und teilte ihnen Nachricht der grossen Lehrer seiner musikalischen Jugend mit. Cikkers Werk greift fast in alle Gattungen ein. Sein Gro bilden die Oper, zu denen sich der Komponist (außer den ersten zwei) auch Librettos schreibt. Juro Jánošík, Beg Bajazid, Mister Scrooge, Vzkriesenie (Die Auferstehung), Hra o láske a smrti (Das Spiel von Liebe und Tod), Coriolanus, Rozsudok (Erdbeben in Chile), Obliehanie Bystrice (Die Belagerung von Bystrica), Zo života hmyzu (Aus dem Leben der Insekten), unbeendete Antigona..... Zwischen der Arbeit an den Opern entstehen Die Tatraer Bächer fürs Klavier, Dramatische Fantasie, Meditation zum Thema des Motets von H. Schütz, Die Ode an die Freude nach den Versen von M. Rúfus. Die Vokalschöpfungen repräsentieren auch zahlreiche Chorkompositionen und Liederzyklen.

 

Ján Cikker ist der Träger von den höchsten staatlichen, künstlerischen und internationalen Auszeichnungen. Für den Humanismus und hohe ethische Prinzipien in der Schöpfung erteilte ihm die Wiener Universität den G. von Herder-Preis. Außer dem Titel „Der Nationalkünstler“ wurde ihm im Jahr 1979 der UNESCO-Preis für die Musik erteilt. Der Sinn des ganzen Lebens von Ján Cikker war das Komponieren, mit dem er den ehrenhaften Platz im Kontext der europäischen Musikkultur erreichte. Er starb am 21.12.1989 im Alter von 79 Jahren in Bratislava.